Rat & Info

 

„Das Gras wächst nicht schneller,

wenn man daran zieht“ Afrikanisches Sprichwort

Plädoyer für eine „gelassene“ Kindheit

 

Wer wünscht es sich nicht, das in der Schule erfolgreiche, musikalische, sportliche und beliebte Kind, gesund und immer gut drauf? Das Kind, das sich die Eltern gewünscht hatten: das Kind, welches sie nach ihren Vorstellungen „auf das Leben vorbereiten“, das Abitur und den beruflichen und privaten Erfolg fest im Blick.

Sie merken schon – etwas ist falsch an dem Bild. Wir bereiten nicht auf das Leben vor. Es ist längst da, es lebt schon seit langem, wenn wir Eltern uns diese Gedanken machen – wenn wir uns sorgen, „das aus dem Kind mal etwas werde“. Die Mütter spüren es, wenn das Baby in ihrem Bauch strampelt und die Eltern freuen sich maßlos über das Lächeln des Säuglings und die ersten Schritte des Kleinkindes.  Das Baby entwickelt sich glücklicherweise in den allermeisten  Fällen normal. Es wird in den ersten Jahren für die Eltern zu oft krank, lernt sprechen und ist schon bald ein Kindergartenkind.  Alles ist noch gut – bis es am Ende der Kindergartenzeit „zu viel spielt“. Es werden Lernprogramme und Vorschulhefte durchgearbeitet, und die bange Frage kommt auf – was wird aus meinem/ unserem Kind in der Schule? Plötzlich fehlt vielen Eltern das Vertrauen auf den nächsten Schritt, das Vertrauen in ihr Kind.

Da fällt einem die Schule der Tiere ein (G.H. Reavis, 1937), in der alle Tiere alle Fächer hatten- wie bei uns statt Deutsch, Mathe, Englisch und Kunst dann Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen.

Die Ente war gut im Schwimmen, besser noch als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen ein hoffnungsloser Fall. Da sie im Rennen so schlechte Noten hatte, musste sie Nachhilfe bekommen und Therapie wegen der Angst vor dem Versagen. Außerdem brachte sie im Schwimmen am Ende nur noch durchschnittliche Leistungen, weil sie so viel rennen musste. Das störte keinen, außer: die Ente. Der Adler war ein Problemschüler, weil er auf seiner Klettertechnik bestand und seine eigene Methode erfand. Das Kaninchen war zunächst der beste Läufer, musste aber wegen eines Nervenzusammenbruchs von der Schule abgehen. Das Schwimmen war zu schwer.

Die schwierige Aufgabe für uns Eltern, Lehrer, Ärzte und Therapeuten muss es sein, dass unsere Kinder alle Möglichkeiten bekommen sollten, sich bestmöglich zu entwickeln, um ein für sie sinnerfülltes Leben leben und ein Arbeitsleben von heute bis zum 67. Lebensjahr in unserer globalisierten Welt meistern zu können.

Natürlich müssen zum Beispiel krumme Füßchen gerichtet, schwache Muskeln gestärkt, eine Sprache, welche man nicht versteht, verbessert und Krankheiten richtig erkannt und gut behandelt werden. Dennoch lohnt sich eine Behutsamkeit und das richtige Maß. Man darf alle Kinder-  egal ob gesund oder krank, mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung, nicht beurteilen nach dem Konzept der Fehlersuche und Korrektur. Kinder brauchen Zeit, zu reifen nach ihrem eigenen innewohnenden Plan. Sie brauchen unsere Unterstützung, Angebote und Hilfestellungen, diesen eigenen Plan zu erkennen und eben ihre Stärken und Fähigkeiten zu entdecken und diese für sich und die Gesellschaft nutzbar zu machen. 

Haben Sie Geduld – ein Lebensmarathon wird wie der sportliche auch nicht auf den ersten 5 km entschieden!