Standardimpfungen

Diphterie

Die Diphterie ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Auslöser der Krankheit ist das von den Bakterien gebildete Toxin (Gift) – es schädigt Herz, Nieren und Gehirn und kann zum Tod führen. Eine antibiotische Behandlung kommt meist zu spät und kann die Toxinwirkung nicht aufheben. Die Diphtherie ist keine theoretische Gefahr – zwischen 1990 und 1998 kam es in Russland und seinen Nachbarstaaten bei mehr als 150.000 Menschen zur Erkrankung mit zahlreichen Todesfällen. Die Impfung schützt zuverlässig, der Impfschutz muss lebenslang regelmäßig aufgefrischt werden.

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Der Tetanus ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Die Bakterien stammen aus unserer Umgebung und dringen über Verletzungen der Haut in den Körper ein. Auslöser der Krankheit ist das von den Bakterien gebildete Toxin (Gift), welches das Nervensystem schädigt. Es entstehen anhaltende Muskelkrämpfe, die bis hin zum Tod führen. Eine antibiotische Behandlung kommt meist zu spät und kann die Toxinwirkung nicht aufheben. Die Impfung schützt zuverlässig, der Impfschutz muss lebenslang regelmäßig aufgefrischt werden.

Pertussis (Keuchhusten)

Der Keuchhusten ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen wird. Auslöser der Krankheit sind zahlreiche, von den Bakterien gebildete Toxine (Gifte). Die Toxine schädigen die Schleimhaut der Atemwege, was zu anfallsartigem Husten und häufig auch anschließendem Erbrechen von Schleim und Nahrung führt. Besonders gefährlich ist der Keuchhusten für Säuglinge, die bedrohliche Atemstillstände erleiden können – Todesfälle treten relativ häufig (über 1%!) vor allem durch Erstickung auf. Seltener führt der Keuchhusten zu schweren Hirnerkrankungen. Eine Krankenhausbehandlung sollte bei Säuglingen aus Sicherheitsgründen immer erfolgen. Die Behandlung schlägt aber kaum an, da eine antibiotische Behandlung die Toxinwirkung nicht aufheben kann. Nach 4-6 Wochen sind die meisten Krankheitszeichen zurückgegangen. Hustenanfälle treten noch bis zu einem Jahr bei leichten Erkältungen erneut auf. Die Keuchhustenimpfung möglichst sehr vieler Kinder stellt den besten Schutz vor einer Ansteckung und Erkrankung dar, denn am ansteckendsten ist der Keuchhusten in den ersten Wochen, in denen er oft nicht erkannt wird. Die Impfung schützt zuverlässig vor den Komplikationen des Keuchhustens, weniger gut vor dem Husten selbst. Der frühzeitige Impfbeginn ist wichtig, da junge Säuglinge besonders gefährdet sind.

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Poliomyelitis ist eine virale Infektionskrankheit. Die Viren werden durch Schmierinfektionen von Mensch zu Mensch übertragen. In Europa ist die Erkrankung derzeit nicht aktiv, selten kommt sie in Fernreiseländern noch vor. Meistens (99%) verläuft die Erkrankung als harmlose Durchfallkrankheit. Bei einem Prozent der Infizierten befallen die Viren das Nervensystem und führen zu Lähmungen. Es gibt keine wirksame Behandlung der Poliomyelitis. Die Impfung schützt zuverlässig. Die Schutzimpfung gegen Kinderlähmung wird seit 1998 nicht – wie früher üblich – als Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff durchgeführt, sondern mit einem Impfstoff aus abgetöteten Polioviren (Totimpfstoff IPV).

Infektionen durch Hämophilus influenzae Typ b (Hib)

Hib ist ein Bakterium, das durch infektiöse Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die meisten Erkrankungen (99%) verlaufen als harmlose Erkältung oder völlig unbemerkt. Bei 1 von 500 Infizierten führt die Hib-Infektion in den ersten 5 Lebensjahren zu gefährlichen Erkrankungen: Eitrige Hirnhautentzündung, akute Kehldeckelentzündung mit Erstickungsgefahr, eitrige Knochen- und Weichteilinfektionen und Ausbreitung der Bakterien im Blut (Blutvergiftung).

Vor Einführung der Hib-Impfung wurde die Mehrzahl aller schweren bakteriellen Hirnhautentzündungen im Säuglings- und Kleinkindesalter durch HiB (Bakterien) ausgelöst. Trotz Antibiotikatherapie bleiben bei 15 bis 20% der schwer Erkrankten Schäden zurück, 5 Prozent versterben. Bei größeren Kindern sind hohes Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit die ersten Krankheitszeichen. Bei Säuglingen und  Kleinkindern können sonst typische Zeichen aber fehlen. Hib-Bakterien sind auch fast immer die Auslöser für die akuten schweren Kehlkopfentzündungen (Epiglottitis), die innerhalb weniger Minuten zum Tod durch Ersticken führen können (nicht zu verwechseln mit dem „Pseudokrupp“!). Bei dieser Kehlkopfentzündung tritt meist hohes Fieber, große Angst, starke Halsschmerzen, Speichelfluß und kloßige Sprache auf. Diese Art der Erkrankung wird u.a. mit Antibiotika und einer vorübergehenden künstlichen Beatmung, wenn sie rechtzeitig kommt, meist ohne nachfolgende Schäden behandelt. Wichtig ist hier der schnelle ärztliche Kontakt!

Die Impfung bietet einen zuverlässigen Schutz und hat diesen beiden Erkrankungen in den letzten Jahren den Schrecken genommen. Bei den geimpften Kindern tritt sie nur noch sehr, sehr selten auf.

Hepatitis B (Leberentzündung)

Hepatitis B ist eine Viruserkrankung, das Hepatitis-B Virus ist ca. 100-mal ansteckender als das HIV-Virus. Die Erreger sind außerhalb des Körpers ca. 7 Tage hochansteckend. Es reicht schon 1 Tropfen Blut, um eine ganze Badewanne voll Wasser zu verseuchen. Man dachte früher, die Viren werden ausschließlich direkt durch Blut oder Genitalsekrete bei intimen Körperkontakten und bei der Geburt übertragen. In manchen Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Behindertenheimen) sind wiederholt Ausbrüche an Hepatitis B beschrieben worden. Dies deutet darauf hin, dass weitere Übertragungswege möglich sind – z.B. bei Raufereien im Kindergarten oder in der Schule. Je jünger man bei Infektion ist, desto seltener kommt es zu einer Gelbsucht. Viele Infektionen in der Kindheit verlaufen daher unbemerkt. Bei Jugendlichen und Erwachsenen gehen 90% der Infektionen mit Gelbsucht einher. Andererseits verläuft die Hepatitis B um so häufiger chronisch je jünger man bei Infektion ist: Bei Säuglingen in 90%, bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in etwa 10% aller Fälle. Die chronische Hepatitis B kann nur schwierig und ohne sicheren Erfolg medikamentös behandelt werden (Interferontherapie). Gefürchtete Spätfolgen sind Leberzirrhose und Leberzellkrebs – die meisten dieser Komplikationen enden tödlich. In Deutschland sind etwa 0,7 bis 1 Prozent der Bevölkerung mit HBV chronisch infiziert, in anderen Ländern (Afrika, Asien GUS-Staaten) ist die Häufigkeit chronisch Infizierter wesentlich höher. Spätestens beim Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen sollte Ihr Kind einen Impfschutz besitzen. Die Impfung bietet einen zuverlässigen Schutz.

Pneumokokken

Pneumokokken sind Bakterien, die durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Sie verursachen Infektionen der Atemwege (Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- und Lungenentzündungen) aber auch lebensbedrohliche Krankheitsbilder wie eitrige Hirnhautentzündung und Blutvergiftung. Zwar können Pneumokokken mit Antibiotika behandelt werden, jedoch können die schweren Verlaufsformen im Kindesalter zum Tod (5 Prozent) führen bzw. hinterlassen schwere Behinderungen (Taubheit bzw. geistige Behinderung in ca. 15%). Durch Impfung können etwa 70-80% der schweren Krankheitsfälle verhindert werden.

Rotavirus (Darmgrippe)

Rotaviren sind die häufigsten Erreger von Durchfallerkrankungen in den ersten 2 Lebensjahren. Die Infektion wird fäkal-oral über die Hände verbreitet und tritt bevorzugt im Winter auf. Ein Teil der betroffenen Kinder erleidet durch den Brechdurchfall eine schwere Austrocknung und muss im Krankenhaus eine Infusionstherapie erhalten. Es handelt um einen Lebendimpfstoff, der oral als Schluckimpfung 2x im Abstand von 4 Wochen verabreicht wird. Die Impfung sollte im Zeitraum der 6. bis 16. Lebenswoche verabreicht werden. Die Impfung älterer Säuglinge, Kleinkinder oder Erwachsener ist nicht möglich. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten (je Impfdosis ca. Euro 86) derzeit nicht.

Masern

Masern sind keine harmlose Kindererkrankung -in Europa versterben jährlich ca. 1000 Menschen an einer Maserninfektion, weltweit betrachtet schätzt die WHO ca. 500.000 Maserntodesfälle je Jahr. Die Masernviren werden durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen. Häufige Komplikationen sind Mittelohr- und Lungenentzündungen. Gefürchtete Komplikationen sind die Beteiligung des Gehirns (Enzephalitis) mit hohem Schädigungsrisiko (30-50%) und hoher Sterblichkeit (ca. 30%). Es gibt keine wirksame Behandlung gegen das Maservirus selbst. Je älter man zum Zeitpunkt der Erkrankung ist, desto häufiger kommt es zu schweren Komplikationen (Kleinkinder 1 von 2000, Jugendliche und Erwachsene 1 von 500). Gefürchtete Spätfolge der Masern ist ein Abbau des Gehirns, die sog. SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis). Sie endet immer tödlich. Die SSPE ist gottlob eine seltene (1 von 50.000 bis 100.000) Komplikation, dennoch – in Nürnberg sind derzeit 2 Kinder hieran erkrankt. Die zweimalige Impfung bietet (wahrscheinlich lebenslang) einen sicheren Schutz.

Sind Masern, für die seelische Entwicklung Ihres Kindes wichtig?

Diese Argument kommt aus der Homöopathie und Anthroposophie und geht auf die Humorallehre der Antike zurück, die Paracelsus im Mittelalter erneut aufgriff.  „Was nach außen schlägt, reinigt“ – die Erkrankungen mit Hautausschlag wurden nicht als schlimme Krankheit sondern als Reinigungsprozess von giftigen und unreinen Stoffen betrachtet. Erst nach dem „reinigenden Ausschlag“ – wenn es sich „gemasert“ hat – könne sich ein Kind richtig entwickeln und eine eigene Persönlichkeit ausbilden.

Es gibt nach heutigen soziopsychologischen Erkenntnissen keine Belege dafür, dass durch Masernviren ein positiver Entwicklungsschub ausgelöst wird. Natürlich wird durch die Erkrankung des Kindes die Eltern-Kind-Beziehung enger gestaltet – das Kind spürt die Sorgen der Eltern. Eltern haben diese Sorge aber bei jeder Erkrankung Ihres Kindes.

Mumps (Ziegenpeter)

Mumps ist eine Virusinfektion, die durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen wird. Typische Krankheitszeichen sind Fieber, Kopfschmerzen und ein- oder beidseitige Entzündung der Ohrspeicheldrüsen und anderer Drüsen (z.B. Bauchspeicheldrüse), etwa 40% der Infektionen verlaufen ohne erkennbare Krankheitszeichen. Häufig geht Mumps mit einer Hirnhautentzündung einher, die zwar in den meisten Fällen harmlos ist, aber dennoch einen Krankenhausaufenthalt mit Entnahme von Nervenwasser (Lumbalpunktion) erforderlich macht. Gefürchtete Komplikationen des Mumps sind die Beeinträchtigung des Hörvermögens (1 von 10.000) bis hin zu Taubheit sowie – bei Erkrankungen jenseits der Pubertät – Entzündung der Hoden bzw. Eierstöcke mit dem Risiko der daraus resultierenden eingeschränkten Fortpflanzungsfähigkeit. Es gibt keine wirksame Behandlung gegen Mumps. Die zweimalige Impfung bietet (wahrscheinlich lebenslang) einen sicheren Schutz.

Röteln

Röteln sind eine Virusinfektion, die durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen wird. Im Kindesalter erworbene Röteln sind eine relativ harmlose Erkrankung, die sich wie eine banale Erkältung mit leichtem Fieber sowie einem kleinfleckigen Ausschlag bemerkbar macht. Etwas 25-50% der Infektionen verlaufen ohne Ausschlag oder andere Krankheitszeichen. In seltenen Fällen kommt es zu einem Abfall der Blutplättchen mit nachfolgenden Hauteinblutungen. Ab der Pubertät führen Röteln bei Frauen häufig zu Entzündungen der großen Gelenke, die nach einiger Zeit wieder abklingen. Wesentlich seltener als bei Masern kommt es zu einer entzündlichen Beteiligung des Gehirns (Enzephalitis). Die am meisten gefürchtete Komplikation der Röteln ist die Schädigung des Embryos, wenn die Erkrankung in der frühen Schwangerschaft auftritt. Es gibt keine wirksame Behandlung gegen Röteln. Die zweimalige Impfung bietet einen sicheren Schutz (98%).

Sollen auch die Jungen gegen Röteln geimpft werden? Unbedingt: Ja! Röteln treten oft ohne Krankheitszeichen auf. So können nicht erkennbar erkrankte Mädchen und Jungen fremde Schwangere gefährden. Werden Mädchen ganz bewusst nicht geimpft, so ist unbedingt darauf zu achten, dass Sie mit 12 – 14 Jahren auf einen Rötelnschutz untersucht und ggf. geimpft werden.

Varizellen (Windpocken)

Windpocken sind  eine hochansteckende Infektionserkrankung. Das Virus wird mit dem Luftzug verbreitet – es kann sozusagen „fliegen“. Eine Ansteckung anderer Kinder, ist z.B. beim Niesen und Husten, bereits 1-2 Tage vor der sichtbaren Erkrankung möglich. Die  Inkubationszeit ist relativ lange und beträgt 12 bis 21 Tage.  Säuglinge sind bis zum 8. Lebensmonat durch den sog. „Nestschutz“ weitgehend geschützt. Nach einem Vorstadium, häufig mit erkältungsartigen Symptomen, tritt der Windpockenausschlag auf. Zunächst erscheinen flache rote Flecken am ganzen Körper, die sich binnen Stunden verdicken und zu juckenden Bläschen umwandeln. Zu Fieber kommt es als Begleitsymptom bei 30-40% der Erkrankten.  Die Bandbreite der Erkrankung variiert stark – von nur vereinzelten Bläschen bis zum stark übersäten Körper mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl. Komplikationen treten bei ca.1% der Erkrankten auf, jede 1000. Erkrankung verläuft mit so schwerwiegenden Komplikationen, dass ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird: Dabei handelt es sich vorwiegend um eitrige Infektionen der Haut (sog. Superinfektionen), der Gelenke, des Blutes sowie um Lungenentzündungen. Leider treten auch Entzündungen des Gehirns mit Entzündung des Kleinhirns (Gangunsicherheit, Schwindel) oder des Großhirns (Enzephalitis) mit drohenden bleibenden Schäden auf. In der Bundesrepublik versterben jährlich 20 – 25 Erwachsen an Windpocken, in den Jahren 2003+2004 verstarben leider auch 7 immungesunde Kinder!

Die nachfolgenden Daten stammen von Prof. Dr. Liese aus dem v. Hauner´sches Kinderspital in München. Er ist verantwortlich für die Auswertung der „ESPED-Daten“, einem bundesweiten, zentralen Erfassungssystem für schwerwiegende und seltene Erkrankungen bei Kindern.

Meningokokken

Meningokokken sind Bakterien, die durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Sie verursachen lebensbedrohende Krankheitsbilder wie eitrige Hirnhautentzündung und Sepsis (Blutvergiftung). Zwar können Meningokokken mit Antibiotika behandelt werden, jedoch können die schweren Verlaufsformen im Kindesalter zum Tod (5-10 Prozent) führen bzw. hinterlassen schwere Behinderungen (Taubheit bzw. geistige Behinderung in ca. 5-10%). Die Impfung schützt nur gegen Meningokokken vom Typ C, welche in Bayern für ein knappes Drittel der Erkrankungen verantwortlich sind (bei steigender Tendenz). Die Impfung ist zu etwa 90% wirksam, es können etwa 30-50% der schweren Krankheitsfälle verhindert werden.